Stammzelltransplantation (SZT)

Hochrisiko-MDS

Bei Patienten mit einem guten allgemeinen Gesundheitszustand stellt die allogene Blutstammzelltransplantation (oder Knochenmarktransplantation)
eine weitere Behandlungsoption dar. Als einzige Therapieoption bietet sie die Chance auf Heilung. Wegen der damit verbundenen hohen gesundheitlichen Risiken kommt diese Art der Therapie jedoch für die Mehrheit der Patienten nicht in Frage.

Bei der SZT werden im ersten Schritt durch eine hochdosierte Chemotherapie und / oder Strahlentherapie die Zellen des Knochenmarks im Körper zerstört. Danach erfolgt die Übertragung gesunder Stammzellen von einem gesunden Spender.

 


 

IQWiG: Stammzelltransplantation bei Krebs

In der Behandlung von Krebserkrankungen kommen vor allem drei Methoden zum Einsatz: Operationen, medikamentöse Behandlung (Chemotherapie und / oder Hormontherapie) und Strahlentherapie. Vielleicht haben Sie aber auch schon einmal von Knochenmarktransplantationen gehört. Sie werden auch als Blutstammzelltransplantationen oder hämatopoetische Stammzelltransplantationen bezeichnet. Diese Form der Stammzelltransplantation wird vor allem bei der Behandlung der verschiedenen Formen von Blutkrebs eingesetzt.

Eine Stammzelltransplantation allein ist zunächst keine Krebsbehandlung im eigentlichen Sinne. Sie dient vielmehr dazu, lebenswichtige Blutstammzellen zu ersetzen, die durch eine hochdosierte Chemotherapie zerstört werden. Dadurch ist es möglich, Chemotherapien deutlich höher zu dosieren und Krebserkrankungen zu behandeln, bei denen andere Therapien nicht erfolgreich waren. Manche Formen der Stammzelltransplantation können aber auch helfen, Krebszellen direkt zu bekämpfen, indem die Spenderzellen gegen die nach der Chemotherapie noch übrigen Krebszellen aktiv werden.

Im Gegensatz zur Transplantation von Körperorganen ist bei einer Stammzelltransplantation keine Operation notwendig, sondern es wird – ähnlich wie bei einer Bluttransfusion – über einen Tropf eine die Stammzellen enthaltende Flüssigkeit in den Körper geleitet. Der Eingriff ist aber nicht harmlos, im Gegenteil: Eine Stammzelltransplantation ist körperlich und emotional sehr belastend und kann ernsthafte, teilweise lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen. Vielleicht sind Sie schon mit einer Chemotherapie und / oder Bestrahlung behandelt worden und haben erfahren, wie kräftezehrend und belastend eine solche Behandlung sein kann. Auch die Zeit nach einer Stammzelltransplantation ist für die Betroffenen und ihre Familien häufig mit Unsicherheit und Ängsten verbunden.

Es gibt mehrere verschiedene Arten von Stammzelltransplantationen, sodass es schwierig sein kann, den Überblick zu behalten. In diesem Merkblatt erklären wir, welche Arten es gibt und worin sie sich unterscheiden. Außerdem erfahren Sie, welche Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten können und wie Betroffene mit der intensiven Behandlung zurechtkommen. Einen raschen Überblick zur Stammzelltransplantation und anderen Krebsbehandlungen finden Sie hier.

Was sind eigentlich Blutstammzellen?

Das menschliche Blut besteht ungefähr zur Hälfte aus einem flüssigen Anteil (dem Blutplasma) und zur Hälfte aus Blutzellen. Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Arten von Blutzellen:

  • Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff und Kohlendioxid.
  • Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) schützen den Körper vor Krankheitserregern.
  • Die Blutplättchen (Thrombozyten) helfen bei der Blutgerinnung und der Heilung von Wunden. 

Blutzellen haben nur eine kurze Lebensdauer. Je nach Typ sterben sie nach einigen Tagen bis Monaten ab. Daher ersetzt der Körper eines erwachsenen Menschen pro Tag viele Milliarden Blutzellen, vor allem rote Blutkörperchen. Diese Aufgabe übernehmen die Blutstammzellen (kurz: Stammzellen). Sie sind sozusagen die „Mutter“ aller Blutzellen, aus denen alle anderen Blutzellen heranreifen. Die Stammzellen befinden sich hauptsächlich im Knochenmark, einige auch im Blut selbst. Das Knochenmark ist ein schwammartiges Gewebe, das sich im Inneren bestimmter Knochen, zum Beispiel der Hüftknochen, befindet.

Damit der Körper über ausreichend Blutzellen verfügt, teilen und reproduzieren sich die Stammzellen ständig. Das bedeutet, dass bei der Teilung einer Stammzelle immer zwei neue Zellen entstehen: eine neue Stammzelle sowie eine weitere Zelle, die sich über verschiedene Zwischenstufen zu einem weißen oder roten Blutkörperchen oder Blutplättchen ausbildet. Wenn die Blutzelle ausgereift ist, wandert sie vom Knochenmark ins Blut.

Was ist eine Blutstammzelltransplantation?

Eine Stammzelltransplantation kann aus zwei verschiedenen Gründen erwogen werden: Zum einen, um Blutstammzellen zu ersetzen, die geschädigt sind und nicht mehr richtig funktionieren. Dies ist zum Beispiel bei der aplastischen Anämie der Fall, einer sehr seltenen Bluterkrankung, bei der nicht ausreichend Blutzellen produziert werden. Zum anderen kann sie bei der Behandlung von bösartigen Erkrankungen, also bei bestimmten Krebsformen wie beispielsweise Leukämien in Kombination mit einer hochdosierten Chemotherapie eingesetzt werden. Dieses Merkblatt beschäftigt sich mit der Stammzelltransplantation im Rahmen einer Krebsbehandlung.

Die meisten Krebserkrankungen werden mit einer Operation, Chemotherapie und / oder Strahlentherapie behandelt. Manchmal gelingt es jedoch nicht, den Krebs mit einer herkömmlichen Behandlung erfolgreich zu therapieren. Dann könnte unter anderem eine Stammzelltransplantation infrage kommen. Dabei handelt es sich genaugenommen um eine hochdosierte Chemotherapie, bei der anschließend Blutstammzellen transplantiert werden. Die medizinisch exakte Bezeichnung hierfür lautet „hämatopoetische Stammzelltransplantation“ (HSZT). „Hämatopoetisch“ bedeutet „blutbildend“.

Durch eine hochdosierte Chemotherapie werden die Stammzellen im Knochenmark vollständig oder so weitgehend zerstört, dass diese Therapie nur angewendet werden kann, wenn dem Körper unmittelbar danach gesunde Blutstammzellen zugeführt werden.

Welchen Nutzen kann eine Stammzelltransplantation haben?

Für bestimmte Formen der Stammzelltransplantation ist durch aussagekräftige Studien belegt, dass sie das Leben von Menschen mit bestimmten Krebserkrankungen verlängern, teilweise sogar helfen können, eine Krebserkrankung zu überwinden. Dies gilt zum Beispiel für die Transplantation von Stammzellen verwandter Spender bei bestimmten Formen der akuten Leukämien. Eine allgemeingültige Aussage über den Nutzen und Schaden von Stammzelltransplantationen ist an dieser Stelle jedoch nicht möglich, da es im Einzellfall von verschiedenen Faktoren abhängt, ob jemand von einer Stammzelltransplantation profitieren kann. Mit spezialisierten Ärztinnen und Ärzten können Sie darüber sprechen, wo die Vor- und Nachteile einer Stammzelltransplantation in Ihrem persönlichen Fall liegen.

Wann kommt eine Stammzelltransplantation infrage?

Eine Stammzelltransplantation ist eine sehr belastende und risikoreiche Behandlung, die mitunter zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann. Daher wird sie in der Regel nur eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren oder die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall hoch ist. Ob eine Stammzelltransplantation möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Alter und dem Gesundheitszustand eines Menschen und davon, ob gegebenenfalls eine geeignete Stammzellspenderin oder ein geeigneter Stammzellspender zur Verfügung steht. Auch wenn eine Stammzelltransplantation aus medizinischer Sicht möglich ist, ist es sinnvoll, sich zunächst über die Vor- und Nachteile einer solchen Therapie zu informieren und sich dann zu entscheiden.

Wie läuft eine Stammzelltransplantation ab?

Vor einer Stammzelltransplantation führen Ärztinnen und Ärzte eine Reihe von Tests durch, um ein genaues Bild von der Erkrankung zu bekommen und sicherzugehen, dass der Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten eine Stammzelltransplantation erlaubt. Zudem wird ein zentraler Katheter in eine der großen Venen gelegt (zentraler Venenkatheter). Über diesen Venenkatheter werden unter anderem Blutproben entnommen, die Chemotherapie verabreicht und die Stammzellen übertragen.

Die Behandlung selbst beginnt in der Regel mit einer sogenannten Konditionierungstherapie, bei der durch eine Hochdosis-Chemotherapie und gegebenenfalls eine Strahlentherapie möglichst alle Krebszellen im Körper zerstört werden. Bei einer Transplantation von Stammzellen einer anderen Person hat die Konditionierungstherapie außerdem eine weitere wichtige Funktion: Sie unterdrückt die Immunabwehr der Empfängerin oder des Empfängers und sorgt so dafür, dass der Körper die transplantierten Spenderzellen möglichst nicht abstößt. Durch die Konditionierungstherapie werden auch alle oder ein Großteil der Stammzellen im Knochenmark zerstört.

Um die zerstörten Stammzellen zu ersetzen, werden dem Körper nach der hochdosierten Chemotherapie neue Stammzellen zugeführt. Die Stammzellen werden – ähnlich wie bei einer Bluttransfusion – über einen Tropf in eine Körpervene übertragen. Sie wandern innerhalb weniger Tage in das Knochenmark und beginnen dort, neue Blutzellen zu bilden. Innerhalb von vier Wochen werden in der Regel wieder ausreichend Blutzellen produziert. In der Zwischenzeit können dem Körper über Transfusionen rote Blutkörperchen oder Blutplättchen zugeführt werden.

Welche Arten der Stammzelltransplantation gibt es?

Für eine Stammzelltransplantation können eigene Stammzellen verwendet werden oder die einer anderen Person. Hier besteht ein wichtiger Unterschied, denn die Transplantation von Stammzellen einer Spenderin oder eines Spenders birgt besondere Risiken. Darüber hinaus gibt es einige neuere Methoden.

Bei einer autologen Stammzelltransplantation werden eigene Stammzellen verwendet

Bei der Transplantation eigener Stammzellen werden dem Körper vor der Konditionierungstherapie Stammzellen entnommen und eingefroren. Nach der Konditionierungstherapie werden sie in den Körper zurück transplantiert. Dies setzt voraus, dass vor der Entnahme der Stammzellen möglichst keine Krebszellen mehr im Körper sind. Daher wird bei einer autologen Stammzelltransplantation bereits vor der Entnahme der Stammzellen eine Chemotherapie nötig. Der große Vorteil der autologen Stammzelltransplantation besteht darin, dass sich die Stammzellen in jedem Falle mit dem Körper vertragen. Auch wenn nicht komplett ausgeschlossen werden kann, dass mit den Stammzellen auch wieder einige kranke Zellen in den Körper gelangen, kann diese Therapie bei einigen Menschen trotzdem erfolgreich angewandt werden.

Bei einer allogenen Stammzelltransplantation werden Stammzellen einer anderen Person verwendet

Eine Transplantation von Stammzellen einer Spenderin oder eines Spenders läuft ähnlich ab wie eine autologe Stammzelltransplantation. Sie hat zwei Vorteile, aber auch einen großen Nachteil: Die Vorteile bestehen darin, dass mit den Stammzellen auch bestimmte Abwehrzellen der Spenderin oder des Spenders übertragen werden, die im Körper der Empfängerin oder des Empfängers dabei helfen können, eventuell noch vorhandene Krebszellen zu bekämpfen. Diese günstige Wirkung heißt Transplantat-gegen-Krankheit-Reaktion (engl. Graft-versus-Disease-Effect). Zudem können keine Krebszellen übertragen werden, da die Stammzellen von einer gesunden Person gewonnen wurden.

Der Nachteil von Spenderstammzellen ist, dass Abwehrzellen der Spenderin oder des Spenders, die mittransplantiert werden, sich möglicherweise gegen Gewebezellen im Körper der Empfängerin oder des Empfängers richten. Eine solche Abstoßungsreaktion wird Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (engl. Graft-versus-Host-Disease) genannt. Sie kann zu Schäden vor allem an der Haut, dem Darm und der Leber führen. Die akute Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion wird in vier Schweregrade unterteilt. Eine leichte Abstoßungsreaktion (Grad 1) führt zum Beispiel zu Hautausschlägen, hat aber keinen Einfluss auf den Erfolg der Transplantation. Schwerere Abstoßungsreaktionen (Grad 2 und höher) können hingegen stärkere Beschwerden auslösen und mitunter lebensgefährlich sein. Sie erfordern eine intensive Behandlung.

Manchmal hält die Abstoßungsreaktion an oder tritt erst nach einigen Monaten auf. Dann spricht man von einer chronischen Transplantat-gegen-Wirt- (Empfänger) oder Graft-versus-host-Reaktion (GvHD). Sie ist eine entzündungsähnliche Immunreaktion von Geweben der Empfängerin oder des Empfängers. Sie beeinträchtigt zwar nicht die Produktion neuer Blutzellen, kann aber verschiedene schwerwiegende und sehr belastende Beschwerden auslösen wie Probleme beim Atmen, Gelenkschmerzen, Durchfall und Schleimhaut-, Haut- oder Augenbeschwerden. Außerdem können andere Organe wie die Leber betroffen sein. Eine chronische Abstoßungsreaktion kann eine längerfristige Medikamenteneinnahme erforderlich machen.

Um eine schwere Abstoßreaktion möglichst zu verhindern, ist es wichtig, dass Spender und Empfänger der Stammzellen in bestimmten Gewebemerkmalen möglichst gut übereinstimmen. Im Idealfall stehen Stammzellen eines eineiigen Zwillings zur Verfügung, der identische Gewebemerkmale hat. Dies ist allerdings nur selten der Fall. Als eine Alternative dazu können Stammzellen naher Verwandter verwendet werden. Wenn keine geeigneten verwandten Spender zur Verfügung stehen, können auch Nicht-Verwandte Blutstammzellen spenden. Auch hierbei gilt, dass die Gewebemerkmale so gut wie möglich mit denen der Empfängerin oder des Empfängers übereinstimmen sollten.

Es ist wichtig, zwischen Stammzellen naher Verwandter, wie zum Beispiel Geschwistern, und Stammzellen von nicht-verwandten Spenderinnen und Spendern zu unterscheiden: Die Transplantation von Stammzellen von nahen Verwandten hat sich bei der Behandlung einiger Krebserkrankungen bereits als sehr erfolgreich etabliert. Ob die Transplantation von Stammzellen nicht-verwandter Spenderinnen und Spender mehr nützt als schadet, ist hingegen deutlich weniger gut erforscht. 

Um eine Spenderin oder einen Spender zu finden, dessen Stammzellen sich gut für eine Transplantation eignen, sind mehrere nationale und internationale Datenbanken aufgebaut worden. Dort können sich Menschen, die Stammzellen spenden möchten, registrieren lassen. In Deutschland werden beispielsweise über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) geeignete Spenderinnen und Spender vermittelt. In dieser Datei sind die Angaben zu über 2 Millionen freiwilliger Spenderinnen und Spender gespeichert. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen nationalen und internationalen Datenbanken wird vom Zentralen Knochenmarkspender Register Deutschland (ZKRD) in Ulm koordiniert.

Eine Variante der allogenen Stammzelltransplantation ist die sogenannte dosisreduzierte Behandlung, auch oft als nicht-myeloablative Stammzelltransplantation bezeichnet. Dies bedeutet, dass die Chemotherapie so dosiert wird, dass die Stammzellen im Knochenmark der Empfängerin oder des Empfängers nicht komplett zerstört werden. Das Problem dabei ist, dass ein Teil der Tumor- oder Leukämiezellen im Körper verbleibt. Man hofft jedoch, dass bestimmte Abwehrzellen der Spenderin oder des Spenders, die bei der Stammzelltransplantation mit übertragen werden, verbliebene kranke Zellen zerstören. Die nicht-myeloablative Behandlung ist für den Körper weniger belastend und hat ein geringeres Risiko für Komplikationen. Sie wird vor allem bei Menschen eingesetzt, bei denen eine komplette Zerstörung der Zellen im Knochenmark ein sehr hohes Komplikationsrisiko birgt.

Aufbereitete Stammzellen

Sowohl bei einer autologen als auch bei einer allogenen Stammzelltransplantation besteht das Risiko, dass das Transplantat Zellen enthält, die den Körper der Empfängerin oder des Empfängers schädigen können: Inzwischen ist es möglich, die Stammzellen vor der Transplantation im Labor aufzubereiten und Zellen aus dem Transplantat zu entfernen, die gefährlich werden könnten. In diesem Fall spricht man von in-vitro („im Reagenzglas“) aufbereiteten Stammzellen.

Welche Nebenwirkungen und Komplikationen können bei einer Stammzelltransplantation auftreten und was kann man dagegen tun?

Jede einzelne Form der Stammzelltransplantation hat bestimmte Vor- und Nachteile, die im vorherigen Abschnitt beschrieben wurden. Darüber hinaus gibt es bestimmte Komplikationen, die bei allen Formen der Stammzelltransplantation auftreten können und ein behandlungsbedingtes Sterblichkeitsrisiko. Wie hoch diese Risiken sind, hängt unter anderem von der Grunderkrankung, und der Therapie ab. Die Ursache dafür ist vor allem, dass durch die hochdosierte Chemotherapie praktisch alle eigenen Blutzellen zerstört werden und für eine gewisse Zeit ihre Aufgaben im Körper nicht mehr wahrnehmen können. Erst wenn die transplantierten Stammzellen ausreichend reife Blutzellen nachproduzieren, ist diese Phase vorüber.

Durch die verringerte Anzahl der weißen Blutkörperchen wird der Körper besonders anfällig für Infektionen. Auch Bakterien, die natürlicherweise auf der Haut und im Körper vorkommen und die normalerweise gesundheitsförderlich sind, können Infektionen auslösen. Um dies zu verhindern, nehmen Menschen zur Vorbeugung oder Behandlung häufig Antibiotika ein.

Weil durch die hochdosierte Chemotherapie auch die Anzahl der Blutplättchen zurückgeht, können Blutungen auftreten, wie zum Beispiel Zahnfleisch- oder Nasenbluten. Manchmal kommt es auch zu ernsthafteren Blutungen. Um dies zu vermeiden, wird die Anzahl der Plättchen im Blut regelmäßig untersucht. Bei einem Mangel können dem Körper über eine Transfusion Blutplättchen zugeführt werden.

Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen wird durch die Behandlung verringert. Dies ist einer der Gründe dafür, dass man sich in der ersten Zeit nach der Chemotherapie sehr müde und erschöpft fühlt. Auch hier besteht die Möglichkeit, dem Körper durch eine Bluttransfusion rote Blutkörperchen zuzuführen, um ihn zu unterstützen und die Symptome der Blutarmut zu lindern.

Durch die unterdrückte Immunabwehr bekommen die meisten Menschen im Laufe der Behandlung eine Entzündung im Mundraum (Mukositis). Diese unerwünschte Wirkung wird meist von Pilzen ausgelöst und ist für die meisten Menschen sehr unangenehm und schmerzhaft. Sie kann das Schlucken erschweren und die Freude am Essen stark beeinträchtigen. Auch Haarausfall ist eine mögliche Folge der Behandlung.

Andere mögliche Komplikationen sind die bereits beschriebene Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion, ein Verschluss der Lebervenen oder eine Hüftkopfnekrose. Die Therapie und ihre Konsequenzen können insgesamt sehr belastend sein. Auf Krebsstationen arbeiten teilweise Psychologinnen oder Psychologen, die Menschen mit Krebs bei solchen emotionalen Belastungen Unterstützung anbieten. Eine mögliche Spätfolge der hochdosierten Chemotherapie ist, dass sie häufig unfruchtbar macht. Frauen und Männer mit Kinderwunsch benötigen eine Beratung mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Reproduktionsmedizin.

Was hilft Menschen, mit der Behandlung umzugehen?

Eine Stammzelltransplantation ist eine körperlich und emotional sehr belastende Therapie. Betroffene verbringen viel Zeit im Krankenhaus und sind mit vielen Untersuchungen und Behandlungen konfrontiert. Das gesamte Leben dreht sich um die Krankheit und für die meisten ist dies eine Zeit voller Ängste und Sorgen um die Zukunft. Dies ist oft nicht nur für den Einzelnen, sondern für die ganze Familie und auch andere Angehörige sehr belastend. Oft empfinden es Menschen in dieser Zeit als sehr bereichernd, sich mit Betroffenen oder Angehörigen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind, beispielsweise im Rahmen einer Selbsthilfegruppe. Auch mit jemandem zu sprechen, der bereits eine erfolgreiche Stammzelltransplantation hinter sich hat, könnte manchen Menschen dabei helfen, optimistisch zu bleiben und nach vorn zu schauen. Und nicht zuletzt kann eine psychoonkologische Unterstützung hilfreich sein.

Wegen des erhöhten Infektionsrisikos verbringt man die ersten Tage oder Wochen nach der Stammzelltransplantation meist in einem isolierten Raum, um den Körper vor Keimen zu schützen. Diese Zeit ist vielleicht am schwierigsten. Der Körper ist noch sehr schwach und wegen des Infektionsrisikos ist es nur eingeschränkt möglich, Besuch zu empfangen. Viele Menschen fühlen sich in dieser Zeit machtlos und ausgeliefert. Es gibt verschiedene Strategien, mit dieser Situation und bedrückenden Gefühlen umzugehen. Für manche sind tägliche Routinen in dieser Zeit hilfreich, zum Beispiel mit Freunden und Verwandten zu telefonieren oder regelmäßig Briefe oder E-Mails zu schreiben. Sie halten so Kontakt zu vertrauten Personen und fühlen sich weniger isoliert. Andere schöpfen aus ihrem Glauben und ihrer Religion Kraft. Auch persönliche Sachen wie Bilder ins Krankenhaus mitzunehmen kann helfen, eine persönliche Atmosphäre zu schaffen und den Krankenhausaufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Während der Behandlung kann man sich manchmal sehr alleine fühlen. Wie gehen andere Patientinnen und Patienten mit dieser sehr schwierigen Zeit um? Häufig berichten sie, dass es ihnen geholfen hat, zuversichtlich zu bleiben und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Viele Patientinnen und Patienten sagen auch, dass ihre Familie und Freundinnen und Freunde ihnen Kraft gegeben haben.

Wenn Sie mehr Informationen über Krebs und Krebsbehandlungen haben möchten oder Selbsthilfegruppen oder andere Unterstützungsmöglichkeiten suchen, können Sie sich unter der Nummer 0800 - 420 30 40 an die kostenlose Hotline des Krebsinformationsdienstes wenden.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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